Studie · August 2026

Digitalisierungs-Check: Wie digital sind ambulante Betreuungsdienste wirklich?

Wir haben die Websites von 223 ambulanten Betreuungs- und Pflegediensten in 32 deutschen Städten automatisiert auf digitale Basiskriterien geprüft. Ergebnis: Bei der Erreichbarkeit hakt es an einer überraschend einfachen Stelle.

223
geprüfte Websites
in 32 deutschen Städten
75 %
ohne Online-Kontaktformular
nur Telefon oder mailto-Link
97 %
technisch erreichbar
3 % mit SSL-Verbindungsfehlern
98 %
mit HTTPS & Mobil-Signal
in dieser Hinsicht Standard
Die wichtigste Erkenntnis

75 % haben kein echtes Online-Kontaktformular

Von den 216 technisch erreichbaren Websites bieten nur 54 (25 %) ein Formular mit echtem E-Mail-Feld, über das Interessierte direkt online Kontakt aufnehmen können. Die übrigen 75 % verweisen ausschließlich auf eine Telefonnummer oder bestenfalls einen einfachen mailto-Link, der beim Klick lediglich das lokale E-Mail-Programm öffnet. Wer heute abends um 22 Uhr online nach einem Pflegedienst sucht, kann bei drei von vier Anbietern nicht direkt eine Anfrage hinterlassen — er muss warten, bis er anrufen kann.

Zum Vergleich, was bereits Standard ist: HTTPS-Verschlüsselung (98 %) und eine mobiltaugliche Grundkonfiguration (98 %) sind bei den meisten Websites bereits vorhanden — meist, weil moderne Homepage-Baukästen das automatisch mitbringen. Beim Kontaktformular, das aktiv eingerichtet werden muss, klafft dagegen eine deutliche Lücke.

Weitere Ergebnisse

Technische Erreichbarkeit im Detail

7 von 223 Websites nicht erreichbar
Auffällig: In allen sieben Fällen lag die Ursache an einer veralteten oder fehlerhaften SSL/TLS-Konfiguration (abgelehnter Verbindungsaufbau), nicht an einem generell nicht erreichbaren Server.
81 % mit sichtbarem Kontakt-Menüpunkt
Eine eigene Kontaktseite ist bei den meisten vorhanden — nur eben oft ohne direktes Formular darauf.
Warum das jetzt relevant wird

Digitalisierung wird zur Pflicht, nicht mehr zur Kür

Ab 1. Dezember 2026 müssen alle Leistungen nach § 105 SGB XI digital erfasst werden, zusätzlich wird die Übermittlung via KIM (Kommunikation im Medizinwesen) für ambulante Pflegedienste verpflichtend. Nach einer branchenweiten Befragung dokumentieren bereits rund 93 % der Einrichtungen ihre Pflege digital per Software — rund 7 % arbeiten noch überwiegend mit Papier und Stift, bei gleichzeitig starker Fragmentierung von mindestens 140 verschiedenen Dokumentationssystemen im Einsatz. Die interne Dokumentation digitalisiert sich also spürbar schneller als die digitale Außendarstellung der Dienste selbst.

Methodik

Wie geprüft wurde

223 Websites ambulanter Betreuungs- und Pflegedienste wurden im August 2026 über Suchergebnisse zu 32 deutschen Städten quer über alle Bundesländer zusammengestellt (Verzeichnis- und Aggregatorseiten wurden dabei ausgeschlossen, es zählen nur eigene Anbieter-Websites). Jede Website wurde automatisiert abgerufen und auf HTTPS-Nutzung, das Vorhandensein einer Viewport-Konfiguration (Mobiltauglichkeits-Signal) sowie ein Kontaktformular mit E-Mail-Feld geprüft.

Einschränkung: Geprüft wurde der roh ausgelieferte HTML-Code. Formulare, die erst nachträglich per JavaScript eingebettet werden, können dabei vereinzelt übersehen worden sein — die 75 %-Zahl ist daher eher eine Obergrenze als ein exakter Wert, der grundsätzliche Trend bleibt aber eindeutig. Diese Studie ist keine Rechtsberatung und keine Bewertung der Pflegequalität der genannten Anbieter, sondern eine rein technische Prüfung der öffentlichen Website.

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